Bolivien
Mein Alltag in Monteagudo
Das Krankenhaus befindet sich in San Miguel de las Pampas, einem ländlichen Ort in der Nähe der Kleinstadt Monteagudo in Bolivien. Die Region gehört zum Gran Chaco, ist von tropischen Temperaturen geprägt und liegt etwa sechs Busstunden von der Hauptstadt Sucre entfernt. Geleitet wird das Krankenhaus von Schwestern des Instituto Mariano, einer katholischen Ordensgemeinschaft. Neben der medizinischen Versorgung unterstützen sie auch Familien in schwierigen finanziellen Situationen, unter anderem durch Internatsangebote, die Eltern entlasten. Das Hospital Dermatológico Monteagudo (HDM), von der Bevölkerung meist einfach „Centro“ genannt, ist eine private Einrichtung. Es finanziert sich durch Eigenwirtschaft sowie durch den Verkauf von Milch, Eiern, Obst und Mais und erhält keine staatliche Unterstützung.

Nach meiner Eingewöhnungszeit entwickelte sich schnell ein strukturierter Alltag. Ich arbeitete von Montag bis Freitag von 8:00 bis 15:30 Uhr und samstags von 8:00 bis 12:00 Uhr im Labor. Um 7:30 Uhr wurde ich an einer Kreuzung in Monteagudo von unserem Fahrer abgeholt. Gemeinsam fuhren wir eine lange Straße entlang zum Centro und sammelten unterwegs die weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein. Als wir auf dem Gelände des Krankenhauses ankamen, warteten bereits die ersten Patientinnen und Patienten auf uns.
Im Labor hatte ich die Möglichkeit, viele verschiedene Tätigkeiten kennenzulernen. Da meine Spanischkenntnisse bereits recht gut waren, durfte ich die Patientinnen und Patienten für die Blutabnahme registrieren sowie Untersuchungsergebnisse am Computer vorbereiten und eingeben. Mit der Zeit entwickelte sich eine sehr enge Teamarbeit. Nachdem die Laborantinnen Blut-, Urin- und weitere Proben untersucht hatten, diktierten sie mir die Ergebnisse laut zu. Anfangs fiel es mir schwer, die Zahlen und medizinischen Fachbegriffe auf Spanisch zu verstehen. Nach wenigen Wochen war ich jedoch so eingearbeitet, dass mir die Ergebnisse sogar aus den verschiedenen Räumen zugerufen wurden.
Dabei hatten wir trotz des oft stressigen Arbeitsalltags viel Spaß. Besonders an Tagen mit vielen wartenden Patientinnen und Patienten ging es im Labor hektisch zu. Gleichzeitig war es oft sehr lustig, wenn aus allen Ecken gleichzeitig Ergebnisse durch den Raum gerufen wurden. Nach und nach erklärten mir die Laborantinnen die einzelnen Untersuchungsergebnisse. Wenn es einmal ruhiger war, recherchierte ich verschiedene Analysen im Internet und lernte unterschiedliche Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger kennen. Außerdem zeigte man mir, wie die Blutgruppen bestimmt werden. Nach einiger Zeit durfte ich diese Aufgabe selbst übernehmen. So konnte ich sowohl mein medizinisches Wissen als auch meine Spanischkenntnisse kontinuierlich erweitern.
Gegen 10:00 Uhr machte ich eine kurze Pause. Oft besuchte ich die Kioskverkäuferin Doña Narcisa, um mich mit ihr zu unterhalten oder ihr etwas zu helfen. Manchmal setzte ich mich auch einfach auf meine Lieblingsbank und trank einen café con leche.

Um 12:30 Uhr gab es im Centro Mittagessen, das jeden Tag frisch von den Mitarbeiterinnen der Hauswirtschaft zubereitet wurde. Viele der Lebensmittel wurden sogar noch am selben Vormittag geerntet, gepflückt oder – im Fall von Geflügel – frisch verarbeitet. Dadurch waren die Mahlzeiten besonders frisch.
Nach dem Mittagessen half ich gegen 13:00 Uhr im kleinen Kiosk neben dem Krankenhaus aus. Dort wurden morgens Frühstück wie Suppe, Brot mit Spiegelei oder frisch zubereitete Reisgerichte verkauft. Je nach Saison gab es außerdem verschiedene Obstsorten sowie jeden Morgen frische Milch. Besonders beliebt waren die frisch zubereiteten Empanadas mit Käsefüllung.
Gegen 15:30 Uhr brachte uns der Fahrer wieder zurück nach Monteagudo. Zu Hause angekommen besuchte ich manchmal die Schwestern in Monteagudo und unterhielten uns über den Vormittag oder unterstützten sie bei ein paar Tätigkeiten im Haus, wie das Unkraut zu zupfen oder für einen Geburtstag die Küche zu dekorieren. Anschließend gingen Rain und ich häufig einkaufen, um in unserer kleinen WG-Küche gemeinsam zu kochen. Manchmal spazierten wir auch durch Monteagudo. Am Abend spielten wir Karten, ruhten uns aus oder trafen Freunde zum Wally-Spielen. Eine weitere Möglichkeit am Abend war noch um 20 Uhr zum Zumba-Kurs zu gehen.
Mein Tag endete meist zwischen 22:00 und 23:00 Uhr mit einem Tagebucheintrag, in dem ich die Erlebnisse des Tages festhielt.





