der Pallottinerinnen

posticon Andrea Beser MaZ in Bolivien 2017/2018

Andrea Beser

MaZ in Bolivien 2017/2018

3. Rundbrief aus Monte

agudo, Bolivien 09.12.2017

 

Ich war zwar im gleichen „Centro Dermatologico“, doch fuehlte mich wie in einer anderen Welt, in einer Arbeiter-Welt. Ich arbeitete 6 Tage die Woche von 6 Uhr morgens bis 19 Uhr abends. Zu Beginn die Arbeitszeiten verfluchend, verliebte ich mich schnell in die wunderschöne Morgendämmerung, darin alle Mahlzeiten mit meiner Kollegin und den „peones“ (Landarbeiter) zu essen, diverse neue Schneide - Arten von Gemüse zu lernen, ach ja und natürlich schnell Kartoffeln zu schälen.

Denn das Schneidebrett wird nur zum Fleisch - Schneiden benutzt, Gemüse und Kartoffeln werden in der Hand haltend sehr zügig geschnitten . Das muss man auch erst mal koennen und fast taeglich schnitt ich mir in die Hände oder die Mais - Schale tat es. Meine Daumen waren am Ende des Tages stets braun vom Kartoffel schälen und blutig, doch bald störte mich das herzlich wenig und es war sogar eine Art Erkennungszeichen unter Frauen. Hinzu kommt, dass ich lernte Hühner, Enten und Rinder zu zerlegen, da man Fleisch braucht und stets mit ganzen Tieren kocht.

Wir servierten das Frühstück um 7 Uhr an die Patienten, die „peones“, die Krankenschwester der Nachtschicht und an uns.

Schnell begann das Zubereiten des „refrigerio“ (Snack für das Personal), was ab 10.30 Uhr zur Selbstbedienung im Salon bereit steht.

Das Mittagessen, was stets aus Suppe, Hauptgericht (eins/mehrere je nach Diät der Patienten, ein anderes für die Arbeiter und Schwestern) und Nachspeise besteht, muss auch zügig zubereitet werden. Um 15 Uhr wird Tee mit Keksen/ Brot an die Patienten serviert. Und ab 16.30 Uhr steht wieder ein „refrigerio“ für das Personal bereit. Um 17 Uhr wird Abendessen an die Patienten und die „peones“ serviert.

Danach wird die komplette Küche geputzt, Kartoffeln für den nächsten Tag geschält und andere Vorbereitungen werden getroffen.

Immer wieder zwischendurch, je nachdem welcher Tag gerade ist, wird Brot für die ganze Woche gebacken, Hühner, Enten oder Rinder werden geschlachtet, gerupft und zerlegt, diverse Früchte, die im Centro wachsen werden gepflückt für die Zubereitung der Nachspeise oder des „refrigerios“, Teller werden eingesammelt, abgespült und/oder es werden „humintas“ gemacht.

Das mal als kleine Beschreibung des Alltages in dieser Krankenhaus - Küche. Es ist zu beachten, dass Obst, Gemüse und Fleisch aus eigenem Anbau kommen und dadurch das Essen an Frische nur so strahlt und köstlich schmeckt. Ich empfinde den Fraß in deutschen Krankenhäusern, der oft von Lieferservicen speziell geliefert wird, da es keine Köchinnen gibt, die für die Patienten kochen, doch nun zunehmend unfrisch und widerlich. Hier wiederum habe ich das Gefühl, die Patienten bekommen extra gutes, frisches Essen, damit sie schneller genesen. So wurde mir das mal von einer Kollegin erklärt.

 

Hallo ihr Lieben,

hier wie versprochen ein Eintrag zu meinem Tages- bzw. Wochenablauf

Um 6:30 Uhr fängt der Tag  mit dem Morgengebet an. Vorher ist es meine Aufgabe das Wasser aufzusetzen und den Tisch zu decken. Nach dem Frühstück bleibt meistens noch Zeit schon mal das Mittagessen vorzubereiten, das Essen für die Hunde zu kochen oder die Blumen zu gießen.

Montags, mittwochs und freitags arbeite ich von 9:00-12:00 Uhr im Kindergarten „Mariano“. Dort unterstütze ich die Lehrerin in der Vorschulklasse. Die Klasse besteht aus 30 Kindern im Alter von 5-6 Jahren. Neben dem Spielen, lernen die Kinder auch schon schreiben. Meistens helfe ich beim Blätter austeilen, beim Malen, erkläre Aufgaben oder frage die Kinder Zahlen ab. Jeden Morgen freue ich mich in die Klasse zu kommen, denn ich werde immer mit einem freundlichen „Buen día Marlene“ begrüßt. Die Kinder sind mir jetzt schon sehr ans Herz gewachsen und ich bin echt traurig, dass sie nach den Sommerferien im Februar in die Grundschule kommen werden.

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Dienstags helfe ich von 7:30-12:00 Uhr in drei verschiedenen Englisch Klassen mit. Anfangs saß ich meistens nur neben der Lehrerin und habe ab und zu mal eine Aufgabe vorgelesen. Mittlerweile leite ich aber schon selber Aufgaben an und helfe wo ich kann. Da manche Schüler fast so alt sind wie ich, ist es ein bisschen schwer sich durchzusetzen. Gerade die Jungs waren am Anfang etwas aufdringlich. So wurde mir an meinem ersten Tag oft hinterher gepfiffen, nach meiner Handynummer gefragt und ob ich nicht noch ältere Schwestern habe. Das hat sich aber zum Glück mit der Zeit gelegt.

Donnerstags bleibe ich den ganzen Tag im Haus und helfe beim Kochen und Putzen. Am Anfang fand ich das gar nicht toll, aber mittlerweile genieße ich die Ruhe an diesem Tag. Zu Beginn haben mir die Schwestern schon verkündet, dass ich zwei Mal die Woche kochen soll. Wer mich kennt weiß: Ich koche nicht gerne und auch nicht sonderlich gut. Schon beim einfachen Reis kochen war ich überfordert und es kam nicht selten vor, dass ich einfach das Salz vergessen habe, ohne es überhaupt zu bemerken. Das ist mir hier auch schon passiert. Hermana Smiht fand es leider nicht so lustig wie ich. Schließlich einigten wir uns darauf, dass ich die ersten Wochen beim Kochen zu gucke und mit der Zeit mehr Aufgaben übernehme. Das klappt bis jetzt ganz gut!

Nachdem ich am Anfang noch keine feste Beschäftigung für die Nachmittage hatte, hat sich das, durch das viele nervige Nachfragen meinerseits, zum Glück geändert.

An zwei Nachmittagen der Woche arbeite ich jetzt im Kiosk des „Centro Dermatológico“. Dort arbeitet auch die andere Freiwillige Andrea. Ich helfe beim Verkaufen, kochen, Sachen aufräumen oder was es sonst so zu tun gibt. Letzte Woche habe ich sogar das erste mal eine Kuh gemolken! Das ist gar nicht so einfach, macht aber Spaß. Außerdem assisitiere ich zweimal die Woche nachmittags in den Computerklassen des „Colegio Mariano“. Hier können die Kinder ihre Hausaufgaben am Computer erledigen oder lernen beispielsweise mit PowerPoint umzugehen. Zwar kann ich nicht so viel mithelfen, aber es ist besser als nichts zu tun zu haben.

Der Kiosk im Centro

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Das

Pause

In den Mittagspausen bleibt Zeit zu waschen, manchmal schlafe ich auch oder genieße einfach die Ruhe.

Außerdem haben Andrea und ich jetzt mit einem Chacarera Tanzkurs angefangen. Zweimal die Woche haben wir jetzt für eine Stunde Unterricht. Bis jetzt können wir nur den Grundschritt, hoffen aber bis zum „Día de la tradición“ mehr zu können.

Mit der Zeit lebe ich mich immer mehr ein und vieles wird einfacher. Nächste Woche findet hier auch ein großes Fest statt, worauf ich mich schon sehr freue. Davon wird natürlich berichtet!

Bis dahin, liebe Grüße!

Marlene

posticon Erfahrungsberichte Lateinamerika

Bericht von Sonja aus Bolivien:

So langsam bin ich etwas im Alltag angekommen und es kommt mehr Routine in meine Woche. Die erste Woche war noch ganz anders.
Der erste Tag im Internat war etwas anstrengend für mich. Ich kam nach einer Busfahrt (ohne viel Schlaf) sehr früh morgens an, und nach ca. 3 Stunden Schlaf wurde ich direkt von den Mädchen geweckt. Sie waren alle neugierig und haben an meiner Tür geklopft. An diesem Tag waren es viele neue Gesichter für mich. Die Mädchen haben mir viel erzählt und ganz viele Fragen gestellt. Besonders viel verstanden habe ich davon noch nicht. Das waren viele neue Eindrücke an einem Tag!
 
In den ersten Tagen musste ich mich erst mal daran gewöhnen in einem Internat zu wohnen. Besonders, weil es nur selten leise ist. Entweder hört man die Mädchen, die zwei sprechenden Papageien (die reden sehr laut und sehr viel), oder nachts die 3 Schäferhunde, die mit im Internat leben.
 
In der ersten Zeit habe ich bei verschiedenen Arbeiten mitgeholfen, um das Internat und den Ort besser kennen zu lernen. Ich habe z.B. mit der Köchin das Essen für die Mädchen zubereitet, oder den Mädchen beim Brotbacken geholfen.
Ein paar Mal war ich auch mit auf dem Feld außerhalb vom Internat. Man braucht ca. eine halbe Stunde zu Fuß bis zum Feld. Dort haben die Mädchen die Kühe gemolken und ich habe Wasser gepumpt und mit Eimern zu dem Kuhstall getragen.
Da es in der ersten Woche besonders warm war, sind wir einmal zum Maissähen alle morgens um 5 Uhr losgegangen.
Das Maissähen war ganz schön, besonders weil man nebenbei dem Sonnenaufgang zugucken konnte.
Auf dem Rückweg zum Internat bin ich halb in den Fluss gefallen, dem man immer überqueren muss. Ich habe noch kein besonderes Talent darin mit Flipflops über Steine zu laufen, die im Fluss liegen. Meistens gehe ich an den flachen Stellen immer direkt durch das Wasser, das ist einfacher.
 
Nach drei oder vier Tagen habe ich den Computerkurs im Internat übernommen und vormittags und nachmittags jeden Tag einige Mädchen im Tastschreiben unterrichtet. Das lustige ist, dass ich früher in der Schule selber darin sehr schlecht war und es nicht besonders mochte, aber zum Unterrichten ist es echt super. Meine Aufgaben waren immer sehr spontan und ich wusste nie was ich am Tag mache, aber seit der letzten Woche habe ich einen festen Arbeitsplan.
 
Morgens beginnt der Tag immer mit einem Gebet um ca. 6.30 Uhr. Bisher bin ich immer zu dem Gebet von dem Mädchen gegangen. Die Schwestern beten im anderen Haus. Aber eine der Schwestern kommt auch immer zum Gebet der Mädchen. Es werden einige Leider gesungen, ein Psalm und das Tagesevangelium gelesen. Die Mädchen versuchen danach immer noch das Tagesevangelium mit Hilfe der Schwester zu erklären.
 
Vormittags gebe ich jetzt an drei Tagen in der Woche Unterricht im Tastschreiben für die älteren Mädchen (die haben nachmittags Schuhe) und nachmittags von Montag bis Freitag für die jüngeren Mädchen (sie haben vormittags Unterricht).
 
An zwei anderen Tagen arbeite ich vormittags im Kindergarten. Der Kindergarten ist für Kinder von 3 bis 5 Jahren. Die Kinder sind nach ihrem Alter in drei Gruppen eingeteilt. Bisher habe ich mit den 5-jährigen gearbeitet, das ist noch ganz neu für mich. Bisher hatte ich mehr mit Jugendlichen zu tun.