Bericht von Sonja aus Bolivien:

So langsam bin ich etwas im Alltag angekommen und es kommt mehr Routine in meine Woche. Die erste Woche war noch ganz anders.
Der erste Tag im Internat war etwas anstrengend für mich. Ich kam nach einer Busfahrt (ohne viel Schlaf) sehr früh morgens an, und nach ca. 3 Stunden Schlaf wurde ich direkt von den Mädchen geweckt. Sie waren alle neugierig und haben an meiner Tür geklopft. An diesem Tag waren es viele neue Gesichter für mich. Die Mädchen haben mir viel erzählt und ganz viele Fragen gestellt. Besonders viel verstanden habe ich davon noch nicht. Das waren viele neue Eindrücke an einem Tag!
 
In den ersten Tagen musste ich mich erst mal daran gewöhnen in einem Internat zu wohnen. Besonders, weil es nur selten leise ist. Entweder hört man die Mädchen, die zwei sprechenden Papageien (die reden sehr laut und sehr viel), oder nachts die 3 Schäferhunde, die mit im Internat leben.
 
In der ersten Zeit habe ich bei verschiedenen Arbeiten mitgeholfen, um das Internat und den Ort besser kennen zu lernen. Ich habe z.B. mit der Köchin das Essen für die Mädchen zubereitet, oder den Mädchen beim Brotbacken geholfen.
Ein paar Mal war ich auch mit auf dem Feld außerhalb vom Internat. Man braucht ca. eine halbe Stunde zu Fuß bis zum Feld. Dort haben die Mädchen die Kühe gemolken und ich habe Wasser gepumpt und mit Eimern zu dem Kuhstall getragen.
Da es in der ersten Woche besonders warm war, sind wir einmal zum Maissähen alle morgens um 5 Uhr losgegangen.
Das Maissähen war ganz schön, besonders weil man nebenbei dem Sonnenaufgang zugucken konnte.
Auf dem Rückweg zum Internat bin ich halb in den Fluss gefallen, dem man immer überqueren muss. Ich habe noch kein besonderes Talent darin mit Flipflops über Steine zu laufen, die im Fluss liegen. Meistens gehe ich an den flachen Stellen immer direkt durch das Wasser, das ist einfacher.
 
Nach drei oder vier Tagen habe ich den Computerkurs im Internat übernommen und vormittags und nachmittags jeden Tag einige Mädchen im Tastschreiben unterrichtet. Das lustige ist, dass ich früher in der Schule selber darin sehr schlecht war und es nicht besonders mochte, aber zum Unterrichten ist es echt super. Meine Aufgaben waren immer sehr spontan und ich wusste nie was ich am Tag mache, aber seit der letzten Woche habe ich einen festen Arbeitsplan.
 
Morgens beginnt der Tag immer mit einem Gebet um ca. 6.30 Uhr. Bisher bin ich immer zu dem Gebet von dem Mädchen gegangen. Die Schwestern beten im anderen Haus. Aber eine der Schwestern kommt auch immer zum Gebet der Mädchen. Es werden einige Leider gesungen, ein Psalm und das Tagesevangelium gelesen. Die Mädchen versuchen danach immer noch das Tagesevangelium mit Hilfe der Schwester zu erklären.
 
Vormittags gebe ich jetzt an drei Tagen in der Woche Unterricht im Tastschreiben für die älteren Mädchen (die haben nachmittags Schuhe) und nachmittags von Montag bis Freitag für die jüngeren Mädchen (sie haben vormittags Unterricht).
 
An zwei anderen Tagen arbeite ich vormittags im Kindergarten. Der Kindergarten ist für Kinder von 3 bis 5 Jahren. Die Kinder sind nach ihrem Alter in drei Gruppen eingeteilt. Bisher habe ich mit den 5-jährigen gearbeitet, das ist noch ganz neu für mich. Bisher hatte ich mehr mit Jugendlichen zu tun.